Altnußberger Chronik

[Bericht im Viechtacher Anzeiger am 13.12.2019]

Am Mittwoch hat der Arbeitskreis Kultur und Heimat (AKKU) im Gemeinschaftshaus Altnußberg ein druckfrisches Werk präsentiert: eine Chronik des Dorfes Altnußberg. Die Altnußberger rechnen damit, dass es das letzte große Werk des Autors Siegfried Federl ist.

Die Westansicht des Dorfes Altnußberg, circa 1970. Diese und zahlreiche weitere Abbildungen finden sich in der Chronik von Altnußberg von Siegfried Federl, die es nun auch zu kaufen gibt.
Die Westansicht des Dorfes Altnußberg, circa 1970. Diese und zahlreiche weitere Abbildungen finden sich in der Chronik von Altnußberg von Siegfried Federl, die es nun auch zu kaufen gibt.
(Quelle: Archiv AKKU)

AKKU-Vorsitzender Paul Fleischmann dankte bei der Vorstellung des Buches seinen Mitstreitern Hans Kasparbauer, Heinrich Heigl und Michael Federer, die sehr zum Gelingen der Chronik beigetragen hatten. Gegliedert ist das 184 Seiten starke Werk in drei Teile: Rückblick in die Vergangenheit, Einblick in die Gegenwart und Ausblick auf die Zukunft. 319 Fotos von Hofstellen, Gebäuden und vom Wachsen des Dorfes lassen den Leser eintauchen in eine andere Zeit.

Interessantes und auch teilweise Amüsantes – etwa die Beschlüsse des Gemeinderats von Geiersthal, Altnußberg betreffend, die Hans Kasparbauer aus den Beschlussbüchern von 1881 bis 1884 in die heutige Sprache und Schreibweise übertragen hat, finden sich in dem Buch.

Rückblicke, Einblicke, Ausblicke

Tragische Unfälle, schöne Festlichkeiten und viele Seiten, die den örtlichen Vereinen gewidmet sind, leiten über in die Jetztzeit. Der Autor hat dafür 24 Familien besucht und damit ein „Album der Dorffamilie“ geschaffen, schildert Fleischmann den umfangreichsten Abschnitt des Buches.

Im letzten Teil, dem Ausblick auf die Zukunft, kommen wenig erfreuliche, aber auch zuversichtliche Themen zur Sprache. Hier hat Fleischmann auf Wunsch des Autors etwa einen Beitrag über die Zukunft des Waldes verfasst.

„Lieber Siegfried, mit diesem Buch hast du dem Dorf ein Geschenk gemacht, auf das auch künftige Generationen gerne zurückgreifen werden“, äußerte sich Fleischmann in seiner Laudatio über den Gründungs- und Ehrenvorsitzenden Federl. „Bilder werden erfahrungsgemäß immer wertvoller, je älter sie sind. Aber nur dann, wenn beschrieben ist, was oder wer darauf abgebildet ist.“ Fleischmann vergaß auch nicht, Hans Hauptmann zu erwähnen, von dem die meisten der Bilder stammen. Niemand könne ermessen, wie viel Zeit und auch Geld Federl in dieses Werk gesteckt habe, an dem sich auch die Gemeinde Geiersthal finanziell beteiligt hat.
Auf Tantiemen aus dem Verkauf hatte der Autor verzichtet. Auch aus diesem Grund sprach Fleischmann von einem „Geschenk“ an die Wahlheimat Federls.

Die Chronik von Altnußberg kann in der Gemeindeverwaltung Geiersthal zum Preis von 20 Euro erworben werden.

Paul Fleischmann, Vorsitzender des Arbeitskreises Kultur und Heimat
(Quelle: Fleischmann)

Wir haben die Buchvorstellung zum Anlass genommen, dem Vorsitzenden des Arbeitskreises Kultur und Heimat (AKKU), Paul Fleischmann, ein paar Fragen zur Chronik und zum Arbeitskreis zu stellen.

Herr Fleischmann, über die Burgruine Altnußberg wurde bereits einiges geschrieben, wie sieht es mit Altnußberg selbst aus?
Paul Fleischmann: Die nun vorliegende Chronik ist das erste Werk, das sich ausschließlich mit dem Dorf Altnußberg befasst. Die Geschichte des Ortes, in erster Linie der Burg, wurde allerdings bereits in vielen Dokumentationen beschrieben.

Wie entstand die Idee dazu?
Fleischmann: Es war die Idee und der Wunsch des Autors Siegfried Federl, seiner Wahlheimat – er stammt ursprünglich aus München – ein Geschenk in Form dieser Chronik zu widmen. Diese soll gleichzeitig sein letztes literarisches Werk sein.


Wie waren die Reaktionen der Altnußberger auf Siegfried Federls Idee?
Fleischmann: Zu Beginn seiner Erhebungen ist Federl auf eine gewisse Skepsis gestoßen; die Dorfbevölkerung war anfangs etwas zurückhaltend. Das hat sich rasch geändert, als man festgestellt hat, dass dahinter eine hehre Absicht steht. Danach brachte man ihm nach und nach freiwillig weitere Unterlagen, Fotos und Dokumente.

Warum ist es für einen Ort wichtig, eine Chronik zu haben?
Fleischmann: Die Grundlagen für diese Chronik, in erster Linie die alten Bilder, sind im Besitz von Privatpersonen und damit für die Allgemeinheit nicht zugänglich. Durch die Chronik sind Zeitdokumente für jedermann verfügbar und für alle Zeiten gesichert. Die nachfolgenden Generationen werden immer wieder darauf zurückgreifen, wenn es um die Geschichte und Entwicklung ihrer Heimat und die ansässigen Familien geht. Federl hat seiner Wahlheimat damit ein Geschenk gemacht. Wir, der Arbeitskreis für Kultur und Heimat, sind stolz auf unseren Gründungs- und Ehrenvorsitzenden.


Was hat es mit dem Arbeitskreis auf sich?
Fleischmann: Der Arbeitskreis Kultur und Heimat wurde 2003 durch meinen Bruder und damaligen Bürgermeister Alfons Fleischmann ins Leben gerufen. Damals ging es in erster Linie um das anstehende Jubiläum der Urpfarrei Geiersthal im Jahr 2009. Geplant war, eine Festschrift zu diesem Anlass herauszugeben. Viele Dokumente wurden gesammelt, Archive besucht… Der Umfang ließ die Absicht reifen, ein Buch herauszugeben. Das war „800 Jahre Geiersthal – eine christliche Urzelle im Bayerischen Wald“. Schriftleiter war damals Siegfried Federl.

Wie ging es dann weiter?
Fleischmann: Durch den Neubau des Rathauses in Geiersthal konnte uns die Gemeinde einen Raum zur Verfügung stellen, in dem alle Dokumente abgelegt sind und der uns auch als Arbeitsraum dient. Federl hat ein Archivierungssystem entwickelt und durch die elektronische Erfassung sind alle Dokumente rasch auffindbar. Der Arbeitskreis Kultur und Heimat besteht derzeit aus 15 Mitgliedern.

Welche nächsten Projekte hat sich der Arbeitskreis vorgenommen?
Fleischmann: Derzeit widmen wir uns zweier Aufgaben: der Digitalisierung von Fotos und Dias, die uns von der Bevölkerung überlassen wurden und die Forschung nach Priestern und Ordensleuten, die aus der ehemaligen Pfarrei und Gemeinde Geiersthal stammen. Eine Daueraufgabe haben wir uns darin gestellt, dass wir regelmäßig einen geschichtlichen Beitrag veröffentlichen.

Über den Autor Siegfried Federl

Immer wieder einen Besuch wert, nicht nur im Sommer – die Burgruine Altnußberg.
(Quelle: Leppert)

Der Autor Siegfried Federl wurde 1934 in München geboren, erlernte das Maler-Handwerk und legte 1959 die Meisterprüfung ab. 1964 wurde er aufgrund seiner außerordentlichen Kenntnisse und Fähigkeiten an die Fachschule für Farb- und Lacktechnik in München berufen. Er gründete die Meisterschule für Vergolder und Kirchenmaler. Von 1978 bis zu seiner Pensionierung 1997 bekleidete er das Amt des Rektors der Fachschule für Farb- und Lacktechnik in München. Er trat als Autor in drei Fachzeitschriften auf, ist der Herausgeber des „Malerlexikons“ und Mitautor mehrerer Fachbücher. Federl hat zahlreiche kirchliche Ehrenämter bekleidet, unter anderem war er Vorsitzender des Katholikenrats in München, Vorstandsmitglied im Diözesanrat des Erzbistums München und Freising. Durch eine Bekanntschaft kam er erst besuchsweise in das Dorf Altnußberg und hat dabei erfahren, dass günstige Baugrundstücke zur Verfügung stehen. Nach seiner Pensionierung bezogen sie ihr Haus in Altnußberg. Sehr schnell hat sich die Familie dort eingewöhnt, brachte sich in das Dorfleben ein und sie wurde in kurzer Zeit ein Teil der Bevölkerung. Federl erkannte die Geschichtsträchtigkeit seiner Wahlheimat, besonders der dortigen Burg und forschte in eigener Initiative. Bei der Erstellung des Buches „Altnußberg, eine Burgruine im Bayerischen Wald“ im Jahr 2001 wirkte er bereits sachkundig mit. Im Jahr 2003 wurde auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Alfons Fleischmann der Arbeitskreis Kultur & Heimat gegründet, Federl wurde als Vorsitzender bestimmt. Dieses Amt hatte er bis 2012 inne, im selben Jahr wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Paul Fleischmann

[Bericht im Viechtacher Anzeiger am 13.12.2019]