Reaktivierung von Bahnstrecken

Der nachfolgende Text stammt von der Internetseite https://www.br.de/nachrichten/bayern/streit-um-reaktivierung-von-bahnstrecken,Rd04YSE , Stand 24.09.2019:

Streit um Reaktivierung von Bahnstrecken

Stillgelegte Bahnstrecken reaktivieren: Das fordern deutschlandweit Umweltschützer. Das bayerische Verkehrsministerium zeigt sich offen dafür – jedoch weicht es nicht davon ab, dass mindestens 1.000 Fahrgäste pro Tag die Strecken nutzen sollten.

Es bleibt wie gehabt: Mindestens 1.000 Fahrgäste sollen es pro Werktag sein, um eine Bahnstrecke zu reaktivieren. Damit hat die FDP vergeblich beantragt, dass die Kriterien für eine Reaktivierung neu bewertet werden. CSU, Freie Wähler und AfD lehnten den FDP-Antrag im Verkehrsausschuss des Landtags ab.

Keine Flexibilität für Randgebiete

Kritik kam von der SPD. Sie sprach davon, dass in ganz Bayern gleiche Lebensbedingungen herrschen sollten. FDP-Politiker Alexander Muthmann verlangte, die Mindestpassagierzahl flexibler zu handhaben. Er erinnerte daran, dass auch in dünner besiedelten Gebieten der Schienenpersonennahverkehr eine erhebliche Bedeutung habe.

Das sei etwa im Bayerischen Wald für den Tourismus der Fall. Dabei ist es gerade eine Strecke im Bayerischen Wald, die möglicherweise dauerhaft gar nicht aktiviert wird: Bisher scheiterte das Vorhaben an der Hürde der geforderten 1.000 Fahrgäste pro Tag.

Reaktivierung nur da, „wo viel los ist“

Auf BR-Anfrage sagte Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU), dass die Staatsregierung bei Reaktivierungen vor allem auf den ökologischen Fußabdruck achte: „Wenn laut Prognose keine 1.000 Reisenden pro Werktag den Zug nutzen, das heißt nicht durchschnittlich 25 Fahrgäste im Zug sitzen, ist es wesentlich umweltfreundlicher einen Bus entlang der Strecke statt eine Diesellok einzusetzen.“

Ähnlich formulierte es Markus Lang, zuständig im Verkehrsministerium für die Reaktivierung der Bahnstrecken. „Die Bahn ist ein Massenverkehrsmittel, gerechtfertigt in der Fläche nur da, wo wirklich viel los ist. Ansonsten ist ein anderes Verkehrsmittel richtig“, sagte Lang.

Aus seiner Sicht seien in Strecken, die das Land mit größeren Städten verbinden, reaktivierungswürdig. Dazu gehören die Mainschleifenbahn Volkach-Seligenstadt, Dombühl-Wilburgstetten in Mittelfranken und Maxhütte-Haidhof-Burglengenfeld in der Oberpfalz.

Grüne fordern, dass mehr Bahnstrecken reaktiviert werden

Konkrete Pläne gibt es bisher bei drei weiteren Strecken, wie aus einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht: So soll etwa die Verbindung Gessertshausen-Langenneufach in Schwaben Ende 2022 wieder in Betrieb gehen. Spätestens 2024 könnten auch über die mittelfränkische Strecke Gunzenhausen-Wassertrüdingen wieder Züge fahren. Auch die seit langem diskutierte Verlängerung der Münchner S-Bahn-Linie 7 von Wolfratshausen bis Geretsried müsste in knapp zehn Jahren fertig sein.

Für die Grünen ist das zu wenig. Sie wollen – genau wie mehrere Verkehrsverbände und Kommunen – dass das bayerische Verkehrsministerium schnellstmöglich insgesamt 18 schon lange stillgelegte Bahnstrecken im Freistaat reaktiviert. Man habe bei der Stilllegung zu sehr darauf geachtet, ob die Strecken wirtschaftlich rentabel waren, sagte Markus Büchler, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, Anfang September.